Weihnachten in Island – wahres Winterwunderland und ein Geschenk wortwörtlich vom Himmel: Nordlichter!

Nach dreissig Jahren habe ich mir erlaubt, Weihnachten mal weg von zuhause zu feiern. Für einmal kein Weihnachtsstress mit Geschenke kaufen, für einmal sich nicht einladen lassen sondern selber kochen, für einmal kein Weihnachtsbäumchen. Sondern einfach mal den Winter in vollen Zügen geniessen. Und was eignet sich da besser als das Land aus Eis und Feuer: Island?

Das westlichste Land Europas hatte in den letzten Jahren einen regelrechten Boom im Wintertourismus erlebt. Nicht unschuldig ist hier scheinbar die Fernsehserie Game of Thrones, welche unter anderem das winterliche Island als Drehort ausgewählt hatte. Aber ich gebe es zu, mir sagt Game of Thrones gar nichts und meine Motivation Island zu besuchen ist eine ganz andere als Drehorte zu besuchen: nämlich richtigen Winter erleben, die Abgeschiedenheit und Ruhe zu geniessen, durch knirschenden Schnee zu stapfen und vor allem Nordlichter zu bestaunen!

Nordlichter

Ein klein wenig süchtig bin ich ja nach der faszinierenden Aurora Borealis. Weshalb sonst würde ich jede Stunde einen Wecker stellen in der Nacht um ganz erwartungsvoll einen Blick auf den Himmel werfen zu können? Und zu hoffen – hoffen auf das Spektakel. Und das Warten und Wecker stellen hat sich auf jeden Fall gelohnt! Ein schöneres Weihnachtsgeschenk konnte ich mir nicht erhoffen: Nordlichter in voller Pracht. Auch wenn ich die Lichter nun schon mehrmals bestaunen durfte, so ist jede Erscheinung einzigartig und jedes Mal einfach nur faszinierend. Und natürlich braucht man viel Glück. So hatte Island scheinbar im Dezember sonst nur ganz selten Nächte mit klarem Himmel, und genau bei einer solch klaren Nacht zeigte sich eine – für Dezember – hohe Aktivität und wir konnten ca. 2 Stunden lang ein Nordlicht mit KP 5 erleben. Auf vedur.is findet man übrigens gute Prognosen hinsichtlich Bewölkung.

Häuschen in Akureyri

Das perfekte Häuschen für unsere Bedürfnisse hatten wir in der Nähe der zweitgrössten Stadt Islands in Akureyri (oder genau genommen auf Airbnb) ausfindig gemacht. Nach einem Inlandflug vom (sehr kleinen) Inlandflughafen Reykjavik in die nördliche Hauptstadt und einer kurzen Autofahrt, erreichten wir unser kleines Juwel. Das kleine Häuschen ist perfekt in der Landschaft eingebettet und eignet sich bestens um Schneeschuhtouren zu unternehmen (bsp. auf den Hügel mit der Radio Station), einen Blick auf die Nordlichter zu erhaschen, Ausflüge zu unternehmen nach Myvatn oder einfach zum relaxen, wenn draussen ein Schneesturm tobt. Und natürlich um stressfrei Weihnachten zu feiern. So fühlten wir uns nach nur schon ein paar Stunden heimelig und nach jedem Ausflug freute man sich aufs ’nach Hause‘ kommen.

Ausflug nach Húsavik und Mývatn

Die Strassen schnee- und eisbedeckt und unser Auto ohne Spikes. Eigentlich ja schon mal perfekte Bedingungen, um einen Ausflug mit dem Mietauto zu unternehmen. Doch zum Glück habe ich meinen Freund als sehr guten Fahrer und so ging es frohen Mutes los Richtung Húsavik und Mývatn. Einsam und in Dunkelheit fuhren wir über abenteuerliche Strassen unserem Ziel entgegen. Und wie ich bereits auf unserer Sommerreise durch Island feststellen durfte: Island ist wie ein grosser Abenteuerpark. Hinter jeder Kurve erwartet einem ein Highlight: Sei es einen Geysir, einen hellblauen See, blubbernde Schlammtöpfe, hell erleuchtete Gewächshäuser, Thermalbäder, schönst gefrorene Eisformationen, … Und so wurde der Tagesausflug ein wahres Erlebnis: der zum teil gefrorene Götterwasserfall Goðafoss imponierte, das Solfatarenfeld Namaskard faszinierte (und stank schön nach Schwefel), der Krater Hvrefell lädt bei einem weiteren Besuch zur Besteigung ein, das wohltemperierte Myvatn Nature Bath entspannte den von Kälte geplagten Körper grossartig und der Geysir Ystihver sprudelte und sprudelte – wollte aber leider keine Fontäne ausspucken. Alles in allem ein sehr erlebnisreicher Ausflug und ich bin mir sicher, dass ich bald wiederkomme – im Sommer aber – denn unter der Schneefläche sind sicher noch viel mehr Naturschönheiten versteckt!

Namaskard heisse Quellen

Reykjavík

Bei mir als bekennende Naturliebhaberin und weniger die Städtebesucherin stand natürlich die Frage im Raum, ob ein Besuch der Hauptstadt Islands drin liegt oder nicht. Zudem Reykjavik nicht unbedingt der Ruf einer allzu attraktiven Stadt innehat. Da das Konzerthaus Harpa und ein Fish & Chips Abendessen noch auf meiner Todo-Liste standen, liess ich mich gerne überzeugen, eine Nacht in Reykjavík zu verbringen – was sich schlussendlich auch als äusserst hilfreich erwies, da der Inlandflug von Akureyri nach Reykjavik 5 Stunden Verspätung hatte und wir den Anschlussflug verpasst hätten. und  Und ich gebe es gerne zu: auch der Schneeregen konnte mich nicht davon abhalten, die Stadt irgendwie gerne zu bekommen. Nur schon die architektonisch sehr gelungene Konzerthalle Harpa im Hafen begeistert mit der wabenartigen Struktur und beeindruckenden Lichtverhältnissen. So werde ich bestimmt auch ein ander Mal wieder einen Stopp in Reykjavik einlegen.

Dieses und jenes

  • am 25.12.2015 ging die Sonne um 11.22 auf und um 15.32 unter (was einer Tageslänge von 4.10 h entspricht)
  • am 24.12 wird um die Mittagszeit oft Milchreis gekocht mit einer versteckten Mandel. Diejenige Person mit der Mandel, erhält ein kleines Geschenk
  • um 18.00 Uhr startet pünktlich das Weihnachtsfest am 24.12
  • das Weihnachtsbier Jolaöl ist Pflicht (ohne Alkohol) an Weihnachten
  • Isländer mögen Lichter im Winter: sogar die Gräber auf den Friedhöfen sind mit bunten (LED) Lichtern versehen
  • auf safetravel.is ist jeweils der aktuelle Strassenzustand ersichtlich
  • die Isländer fahren auch bei Eis und Schnee sehr zügig über die Strassen
  • Kaltes Hahnenwasser ist bestes Trinkwasser, warmes Wasser duftet jedoch lecker nach Schwefel und sollte nicht getrunken werden
  • Inlandflüge werden gerne mal einfach 5 Stunden nach hinten verschoben wegen schlechtem Wetter
  • Auf Inlandflügen findet keine Sicherheitskontrolle statt
  • Das Wetter kann von Minute zu Minute sich ändern (ist wirklich so). Und die Wetterprognosen sollen nie mehr als 12 Stunden im Voraus beachtet werden

Weitere Impressionen der Nordlichter

Weitere Impressionen vom winterlichen Island

Kommentar verfassen

facebook like