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Wenn einer eine Überraschungsreise tut: Farbenspektakel Anatolien in der Türkei

Mein Freund und ich hatten die Türkei schon ein paar Mal als Reiseziel im Kopf. Aber ich konnte mich nie richtig dafür entscheiden. Vielleicht, weil ich kein klares Bild hatte. Zu kompliziert. Zu unsicher. Wie schnell einen unbegründete Vorstellungen bremsen können.

Dann hat mein Freund unsere alte Tradition wiederbelebt: eine Überraschungsreise planen (dieses mal für mich). Nach wochenlangem Raten hatte ich es dann auf dem Weg zum Flughafen erfahren: Türkei. Genauer gesagt Antalya. Meine Vorfreude war ehrlichgesagt ein wenig gedämpft. Weshalb weiss ich immer noch nicht genau.

Doch kaum gelandet, im Mietwagen raus aus der Stadt war ich sofort überrascht. Sehr sehr gutes Essen (als Vegis muss man sich ein wenig durchfragen, da schon sehr Fleisch-lastig).  Überall Chai-Tee, den ich jetzt vermisse. Freundliche Menschen, Gespräche mit Händen, einem Lächeln und Google Translate. Wohlgesinnte Strassen-Hunde und Katze (zu denen grösstenteils gut geschaut wird). Der Verkehr deutlich entspannter als erwartet. Und die Landschaft – beeindruckend und abwechslungsreich. Nichts von brauner Ödnis, wie ich das irgendwie mit der Türkei assoziiert hatte.

Unsere Route:

Von Antalya aus fuhren wir nach Demre. Unser Airbnb lag zwischen Ziegen, einer Badebucht und dem Klang des Muezzins. Ruhig, abgelegen, stimmig. Dort machten wir kleinere Wanderungen an der traumhaften Lykischen Küste. Der Fernwanderweg von über 540 km steht jetzt jedenfalls auf meiner Wunschliste (ok, vielleicht nicht die Ganze und sicher nicht im Hochsommer).

Weiter ging es zum Mount Chimaera, wo ewige Flammen aus dem Boden brennen. Ein Ort, der wirkt, als hätte die Erde selbst ein kleines Lagerfeuer angezündet. Dann fuhren wir ins Landesinnere nach Konya. Ich hatte vorher viele kritische Berichte gelesen. Doch unsere Erfahrung war durchweg positiv. Keine Kopftuchpflicht, viele offene Begegnungen, keine Anspannung – und das heisst etwas für mich.

Danach machen wir einen kleinen Abstecher (für türkische Verhältnisse jedenfalls) nach Kappadokien. Schon früher hatte mir das Bild eingebrannt von den unzähligen Ballonen, welche über der phantastischen Landschaft schweben. Nun lagen nur noch 4 Stunden Autofahrt vor uns, bevor ich mich überzeugen konnte, dass die Bilder nicht gefaked, sondern der Realität entsprechen. Und auch diese Autofahrt war trotz einer relativ eintöniger Fahrt durch die riesige Hochebene beeindruckend. Diese Weite ist für eine Schweizerin fast unvorstellbar;). Wer das anders sieht wird spätestens in Nähe des Ilhara Tals wieder wach. Ich konnte mich kaum sattsehen an den Tuffformationen insbesondere im Dorf Selime inklusive historischen Behausungen, welche die Menschheit vor vielen vielen Jahren erschaffen hatte.
Ca. 1.5h später waren wir im Herzen von Kappadokien. Jeden Morgen starten dort bei guten Wetterbedingungen zum Sonnenaufgang über 150 Heissluftballone. Die Landschaft wirkt wie von einem anderen Planeten. Felsformationen im Morgenlicht, in Tuffstein gehauene Häuser und Kirchen aus vergangenen Jahrhunderten. Still, weit, zeitlos. Übernachtet hatten wir in kleineren Dorf Çavuşin, wo die Ballone auch darüber fahren. Das Hauptzentrum Göreme war dann doch ein wenig zu viel des Guten.

Fazit:

Ich reiste mit Zweifeln und kam mit Bildern zurück, die bleiben. Die Türkei hat mich überrascht – mit Gastfreundschaft, Vielfalt und Tiefe. Es war keine Reise, die einfach nur schön war. Sie wirkt tatsächlich noch nach und wir werden sicher wiederkommen.

Highlights:

  • Morgenstimmung in Kappadokien mit den startenden Heissluftballonen (sehr früh aufstehen ist angesagt;)
  • Wandern durch die Tuffgestein-Formationen in Kappadokien
  • Lykische Küste (Abschnitt Demre) inklusive Meeresschildkröten, welcher einfach mal im einem Flüsschen direkt uns uns vorbei geschwommen sind
  • Frischer Simit (Sesamkringel) plus Ayran Joghurt und Chai Tee zum Zmorgen

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